Panafrika Redaktion September 2010

 

Teil I Begrüßung

 

Unsere Themen im September sind: Länderschwerpunkt Togo– Neben einem Überblick über die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage dieses Landes, haben wir uns eine Gast ins Studio: Frau Karin Weidlich die eine sehr interessante Artikel zur Togo geschrieben hat „Demokratie im Kleinformat – ein afrikanischer Traum!“

 

Wir haben auch zu Gast im Studio Frau Anne-Isabelle Zils und Mohammed Koroma die einen Dokumentarfilm über jugendliche Flüchtlinge in München gemacht haben.

Dann folgt wie immer Informationen über Afrika in „Afrika Aktuell“ und auch über die Afrikaner und Menschen afrikanischen Herkunft außerhalb Afrikas „Diaspora Aktuell“.

 

Im Studio begrüßen Euch: Hamado Dipama, Uche Akpulu und Suli Kurban.

 

1. Musik Pause: Unsere erste Musik kommt heute aus Togo von John Aziamour

 

Mod: Teil II Länderschwerpunkt: Togo

 

Allgemein Information

Togo ist eine Westafrikanische Land am Golf von Guinea gelegen mit einer Landfläche vom 56.785 qkm, Das Land grenzt sich an Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden.

 

Togo hat etwa 6,19 Millionen Einwohner. 99 % der Bevölkerung besteht aus 42 ethnischen Gruppen. Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind Ewe (rund 40 %), Tem (23,1 %), Akebou (13,2 %), Gurma (9,7 %) und Yoruba (6,8 %).

Etwa 62 000 Europäer, Syrer & Libanesen sind teil der Bevölkerung. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist unter 16 Jahre alt. Neben Französisch als Amtsprache gibt es insgesamt 39 lebende einheimische Sprachen. Ewe und Mina werden im Süden gesprochen, Kabye und Dagomba im Norden.

51 % der Bevölkerung Togos sind Anhänger von traditionellen Religionen, 29 % sind Christen und 20 % Moslems. In den Küstenregionen gibt es auch einige kleine jüdische Gemeinden.

Der Hauptstadt von Togo ist Lome mit fast 1 Millionen Anwohner.

Etwa 65% der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt.

Kakao, Kaffee, Baumwolle und Tee erbringen zusammen etwa 30% der Exporteinnahmen Togos. Der Phosphatabbau macht rund 8,4 Prozent der Wirtschaftsleitung aus

 

Geschichte & Politik

Die erste Besiedlung des heutigen Togo erfolgte zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert durch das Volk der Ewe, die aus der Region um den Fluss Niger einwanderten.

Nach der Berliner Afrika Konferenz in 1884 wurde Togo eine Kolonie des Deutschen Reich. Nach dem 1. Weltkrieg wurde jeweils ein Teil Großbritannien und Frankreich zugeteilt.

1946 wurde Sylvanus Olympio Vorsitzender der Territorialversammlung von Französisch-Togoland gewählt. Einem jahr später 1947 geriet er zunehmend in Konflikt mit der französischen Kolonialregierung, da er sich stark für das Selbstbestimmungsrecht der Kolonien einsetzte.

Die Wahl vom 1955 sowie das Referendum von 1956 boykottierte seine Partei unter dem Vorwurf der Wahlmanipulation durch die französische Mandatsmacht.

Am 27. April 1960 wurde Olympio erster Staatspräsident der Unabhängiges Republik Togo, jedoch 1963 bei einem Militärputsch getötet.

Sylvanus Olympios Sohn Gilchrist Olympio ist derzeit einer der prominentesten Oppositionsführer des Landes.

Nach Sylvanos Olympio folgte der Oppositionspolitiker Nicolas Grunitzky, der 1967 durch General Etienne Eyadéma aus dem Amt vertrieben wurde. Um an der Macht zu bleiben betrieb Eyadema mehrere Verfassungsänderungen und Niederschlagung von oppositionellen Gruppen. Er überlebte auch mehrere Putschversuchen und Attentaten, starb aber am 5. Februar 2005 nach 38 Jahre in Amt.

Nach dem Tod von Gnassingbé Eyadéma ernannte die Armee des Landes seinen Sohn Faure Gnassingbé, bis dahin Minister für Telekommunikation, zum neuen Präsidenten. Diese führte zu Unruhen im Land und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS suspendierte am 19. Februar als Reaktion auf die verfassungswidrige Machtergreifung die Mitgliedschaft Togos. Abbas Bonfoh wurde dann als Übergangspräsident ernannt und im April 2005 gewann Faure Ganssingbé den Präsidentschatwahl aber mit Vorwurfe der Wahlmanipulation.

 

 

Musik Pause: aus Togo, wieder von John Aziamour

 

(Interview mit Frau Karin Weidlich)

 

Musik Pause: von Yossou Ndour

 

Afrika Aktuelle

 

Nigeria

Der Nobelpreisträger für Literatur, Wole Soyinka, hat eine neue Partei gegründet, die gegen die Korruption und für bessere Gesundheit und Bildung eintritt. Ob er selbst in den bevorstehenden Wahlen als Präsidentschaftskandidat stehen wird, ist ungewiss. Soyinka, der 1986 als erster Afrikaner den Nobelliteraturpreis erhielt, gehört zu den Vordenkern der Unabhängigkeitswelle, die den „Traum vom Afrika der Afrikaner“ träumten. 

 

USA

Auf der Millenniumskonferenz in New York, die zehn Jahre nach Verabschiedung der Millenniumserklärung Bilanz ziehen wollte, wurde festgestellt, dass vier afrikanische Länder südlich der Sahara es geschafft haben, die Halbierung der Armut zu erreichen. Die Länder sind: Kongo-Brazzaville, Ghana, Mali und Nigeria.

 

Sierra Leone

Präsident Koroma hat seine Minister gewarnt, ihre exzessiven Auslandsreisen einzuschränken, da die hohen Kosten die nationale Entwicklung hemmen. Das müsse ab sofort aufhören. Er selbst wolle jeden Minister überwachen, der nach Übersee reist.

 

Sudan

Die katholische Kirche hat eine landesweite Gebetsinitiative gestartet. Vom 21. September bis zum Weltfriedenstag am 1. Januar soll für ein friedliches Referendum gebetet werden, das laut Friedensabkommen 2011 abgehalten werden muss. Es gibt große Befürchtungen, dass auf Grund der großen Erdölvorkommen der Norden eine faire Abstimmung nicht zulassen wird. Es gilt als sicher, dass der Süden für die Unabhängigkeit stimmen wird.

 

Südafrika

Auf dem Parteitag in Durban hat Präsident Zuma vor Tausenden die Streitereien und das Mächtespiel in der ANC scharf angeprangert und die Mitglieder an die „revolutionäre Disziplin“ der Anfangsjahre erinnert, die es der Partei ermöglichte, die Apartheid zu überwinden. Es war eine der mutigsten Reden des Präsidenten in einer Zeit wachsenden Unbehagens über seinen Führungsstil.

 

Niger

Sieben Mitarbeiter der französischen Unternehmen Vinci und Areva, darunter fünf Franzosen, wurden in Arlit norden von Niger überfallen und verschleppt. Areva der über 5000 Mitarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland hat, betreibt in der Nähe von Arlit eine Uranmine. Niger ist eine des wichtigsten Uranproduzenten der Welt. Lokale Widerstandsgruppen gegen den Uranabbau, der die Region verseucht, haben in der Vergangenheit Europäer verschleppt.Durch den Vorfall sieht Frankreich seine nationalen Interessen in Niger gefährdet.

 

Musik Pause: von I. K. Dairo

Diaspora Aktuelle

 

Magdeburg

Zwei Jahre nach der Ermordung der Asylbewerber Oury Jallohs aus Sierra Leone am 7. Januar 2005 im Polizeirevier Dessau, fand der Prozess gegen zwei Polizeibeamte am Landgericht Dessau-Roßlau statt. Die Anklage lautete Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässige Tötung durch Unterlassung. Wie die Initiative und die internationalen Prozessbeobachter bereits während der ersten Verhandlungstage vermutet hatten, wurden beide Angeklagten im Dezember 2008 frei gesprochen.

Auf Verlangen der Initiative legte die Nebenklage Widerspruch gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof (BGH) ein – und bekam Recht. Der BGH veranlasste eine Revisionsverhandlung, die nun vor dem Landgericht Magdeburg am 25. Oktober 2010 stattfinden wird.

 

München

Nach langer Krankheit ist unserer Freund und Bruder SAM UGBO, Mitbegründer und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Initiative Afrika Zentrum, München e.V., ist am 03.09.2010 in München gestorben. Die gesamte Afrikanische Commuty von München ist in tiefster Trauer über den Verlust dieser starke Tragsäule unserer Gemeinde. die Beisetzung ist am  13. September 2010, im Westfriedhof München stattgefunden.

 

München

Ausländerbeiratswahlen 2010

am 28. November 2010 wird ein neuer Ausländerbeirat für Stadt München gewählt!

Der Ausländerbeirat ist die Interessenvertretung der Münchnerinnen und Münchner mit ausländischer Staatsangehörigkeit, Zuwanderern, Flüchtlingen und deutschen Staatsbürgern mit internationaler Herkunft.

Ende 2009 lebten rund 310.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in München; die Zahl der Münchnerinnen und Münchner mit Migrationshintergrund ist jedoch erheblich höher.

Er berät die Stadt München in allen Fragen, die sich auf Migrantinnen und Migranten beziehen. Er nimmt öffentlich Stellung, wenn die Interessen der Migrantinnen und Migranten betroffen sind.

Er ist ein politisches Gremium. Er wird für sechs Jahre gewählt, analog zum Stadtrat. .Er besteht aus 40 direkt gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern mit Stimmrecht und 10 beratenden Mitgliedern.

Der AK. Panafrikanismus München ist in der Wahlliste „Interkulturelle Vielfalt für München vertreten.

Die Interkulturelle Vielfalt für München ist eine eine internationale Gruppe, die sich dieser Wahl stellt. Die Interkulturelle Vielfalt für München-Liste möchte die politischen Interessen der Münchner Migrantinnen und Migranten vertreten.

Ziel der Liste ist die Gleichstellung der Migrantinnen und Migranten in der Gesellschaft. Wir haben sehr unterschiedliche Biografien, kulturelle Herkunft und Qualifikationen. Diese wollen wir im Interesse der Migrantinnen und Migranten einsetzen.

Kleine Gespräch über der Liste

 

Hannover

mit einem Offenen Brief an das Kultusministerium möchte der Verein „Freundeskreis Tambacounda e.V.“ auf die inhaltlichen Missstände des für das Zentralabitur 2011 vorgesehenen Lehrbuchs mit dem Titel „A la découverte de l’Afrique noire francophone“ ( Auf Deutsch „die Entdeckung der frankophone Schwarz-Afrika“ ) hinweisen. Das frankophone Afrika wird in dieser Literatur als rückständig und problembehaftet beschrieben.

In dieses Lehrbuch wird u.a. ein veraltetes Bild afrikanischer Gesellschaften entworfen, wie zB. Eine systematische Benachteiligung der Frau die eine Klischee verfestigt, das heute noch die Wahrnehmung vieler Europäer prägt.

Ähnliches gilt für die Afrika-Karten, die die präkoloniale Zeit ausklammern: eine Karte aus der vorkolonialen Zeit hätte nicht nur die Größe der afrikanischen Königreiche gezeigt, sondern auch die koloniale Zerstückelung, die heute noch Konflikte hervorruft. Darüber hinaus wird so ein wichtiger und in Europa unbekannter Teil afrikanischer Geschichte ausgeblendet, was an Hegels bekannte These des „geschichtslosen Kontinents“ erinnert.

 

Die Fehlorientierung der Reflexion ist umso gravierender, als die Schule die wichtigste Rolle in der Vermittlung interkultureller Kompetenz, d. h. in der notwendigen Revision von tradierten Wahrnehmungs- und Denkmustern spielen kann und soll. Und angesichts der hartnäckigen Stereotype und des herrschenden Unwissens über Afrika kommt dem Umgang mit der Repräsentation des Anderen, hier des Afrikaners, eine entscheidende Bedeutung zu. So Dr. M.

Moustapha Diallo, der Lehrbeauftragter an der Universität Paderborn ist und auch Deutschlehrer an das Ludwig-Erhard-Berufskolleg Münster

Herr Abdou Karim Sané vom Freundeskreis Tambacounda e.V. sagte auch dass sein Verein engagiert sich dafür, dass diese Themenauswahl überarbeitet wird.

 

Bremen

Aus Anlass des 52. Jahrestages des Referendums, in dem Frankreichs General de Gaulle eine Französisch-Afrika Gemeinschaft schaffen wollte, abgelehnt wurde, organisieren Afrikaner und Freunde Afrikas am 28. September 2010 vor den französischen Botschaften in aller Welt sowie am Sitz der Nationalversammlung in Paris eine große, internationale Kundgebung.
 
In der Vereinigten Staaten, Frankreich, Belgien, der Schweiz, England, der Elfenbeinküste, Togo, Kanada, Djibuti, Malaysia
usw.finden auch Kundgebungen statt. In Bremen findet heute eine Große Demonstration am Bremen Hauptbahnhof und im Anschluss Kundgebungen vor dem Kolonialdenkmal (BREMER STADTELEFANT) und vor der Bürgerschaft. Es wird auch eine SIT-IN vor dem INTITUT FRANÇAIS geben.
 
Die Demonstranten sagen Nein zum Weiterbestehen des Kolonialismus in verdeckter Form in Afrika, nein zu den „Verteidigungsbündnissen“ von „Françafrique“, Nein zur französischen Armee und ihren Militärbasen in Afrika, Nein zu den
Wahlparodien in Françafrique, nein zu politischer Haft, zu Attentaten und
Völkermorden, zur Ausplünderung Afrikas, zu Lüge und Nachrichtenmanipulation, Nein zum Revisionismus in der Darstellung der afrikanischen Geschichte und zu jedem Versuch der Rechtfertigung der Kolonisation, Nein zu falscher Entwicklungshilfe.

 

Berlin

Ein Deutsch-Nigerianer Stanley Chima wurde in der Nacht des 29. August von Zivilpolizisten angehalten und kurz danach tot auf der Straße aufgefunden.

Der in Berlin lebende Stanley Chima war 39 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Am 29. August wurde er gegen 23:50 von Zivilpolizisten im Berliner Stadtteil Britz wegen Telefonieren beim Autofahren angehalten, das Auto gehörte seiner Frau. Chima musste eine Ausweiskontrolle über sich ergehen lassen. Jener Zeuge, mit dem Chima zum Zeitpunkt der Polizeikontrolle am Telefon sprach, hörte, wie die Polizei Chima gegenüber schroff vorging und ihn anschrie. Die Polizisten behaupteten, dass das Auto Chimas gestohlen sei und zwischen Chima und ihnen entfachte eine Diskussion, wobei das Gespräch am Telefon beendet wurde. Der Zeuge rief Chima erneut an, doch der Anruf wurde nicht angenommen. Chima wurde kurze Zeit später zwei Busstationen weiter in einer Nebenstraße tot aufgefunden.

Der AK Panafrikanismus München fordert dass die Tatsachen in Zusammenhang mit dem Tod Chimas aufgedeckt werden und die Verantwortlichen sofort verurteilt werden.

 

Zitat aus Afrika, Uganda

Kennt man die Bäume nicht, behandelt man sie alle wie Feuerholz

 

An diese Stelle verabschieden wir uns und hoffen dass Ihr nächstes mal wieder dabei seid.

 

Es verabschiedet sich…

 

Musik Ende: von I. K. Dairo